Verdammter Manager

Gutgelaunt…, kann ich verstehen.
Irgendwann reicht’s auch, zumal er sicherlich so kurz vor der Ernte jede Menge zu tun hat.

Da ne Rolle, dort nen Traktor, oder ein Mähdrescher.
Dann noch Spritzsaison und die laufenden Bau- und anderen Maschinen.

Und so gut wie kein Ausgleich, keine Frau oder Familie.

Wo bleibt da die Work-/Life-/Lovebalance?

Kenne das sehr gut. War seit 1992, 18 Jahre, mit kurzen Unterbrechungen mein tägliches Brot.
Du stürzt Dich in Arbeit nur um darin zu ertrinken!

Am Ende drehst Du Dich immer schneller im Kreis, ohne wirklich was vernünftiges zu erreichen.

Doch was ist die Alternative?

Schneller, flüchtiger Sex, für den Du auch noch bezahlen kannst und der dich auch zusätzlich noch herunterzieht?
Kneipengang mit, möglicherweise verliebten Freundespaar, Spielsucht, Alkohol, rumsitzen in irgendwelchen Tablet-/Nachtbars?

Ja, was glaubst Du wieso ich davon schreibe?

Hab ja auch versucht mit 16 bis 20 h Arbeit fünf Tage die Woche plus mind. 5h am Wochenende zu überleben.

Niemand da, mit dem man Erfolge, Probleme und Niederlagen bereden konnte, immer nur hörte was zu Hause Sch… lief, oder sich über Essenspläne zu unterhalten in den 5 bis 10 Minuten telefonieren am Abend wenn ich anrief.

Da gab es auch viele Zeiten in denen ich nach Auswegen, nach dem Sinn meines Lebens suchte.

Hab auch Dinge in meiner Verzweiflung getan, auf die ich wirklich nicht stolz bin.
Sicher, die geschahen nicht weil ich jemanden abstrafen, betrügen oder verletzen wollte.

Nur weil ich nach etwas suchte, was mir das gab was mir so sehr fehlte…..

Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen denen es noch viel schlimmer ging als mir.
Reinste Sexsklaven unterste Schublade.

Nichts gravierendes bei mir. Ein paar mal in Sexclubs, einmal Bordell, jedoch rechtzeitig erkannt, dass mir das nichts bringt, außer ein Haufen Kosten.

Gute Gespräche in der Freizeit waren sehr selten, weil Du bei Kollegen immer aufpassen musstest was Du sagst.
Da oben ist die Luft eng und ein jeder lauert nach Möglichkeiten Dich auszustechen oder sich Vorteile zu verschaffen.

Doch wenn Du 100 Stunden und mehr die Woche ackerst wie ein Pferd, dann suchst Du als erfolgreicher Manager auch Situationen, die dich ganz nach unten bringen.
Warum auch immer?

Du trittst den ganzen Tag nach unten durch, hast nur „Darmbewohner“ um dich, dann brauchst Du die Abreibung, die ich an den Wochenenden „kostenlos“ genießen durfte.

Dann kam ja dazu, dass ich regelmäßig als Interim fungierte.
Bis du da warm wirst, zieht es Dich schon wieder weiter.

Freundschaften sind da verdammt schwer zu gewinnen und zuhause treibt es Dich immer weiter in die soziale Isolation, zumal wenn du dann einen Haufen „Freunde“ hast auf einem Bildungsniveau der stehengebliebenen Partnerin, während du an den täglichen Herausforderungen und Kontakten wächst und wächst.

Und das nicht nur in Richtung positives Wachstum.

Weißt Du, habe das alles bei meiner Partnerin angesprochen.

Übrigens auch das mit den Sexclubs und dem Bordell.

Verständnis ist anders.

Jeder sieht nur den Verdienst und die angenehmen Seiten eines solchen Lebens.

Die Einsamkeit, die schweren Entscheidungen die langen Arbeitszeiten, die Entlassungs-, Kostenverhandlungen mit der Notwendigkeit Leute vor den Kopf zu stoßen sieht keiner, will auch keiner wissen.

Als mir die zwei Geschäftsleute bei Kostenverhandlungen mit einem Herzinfarkt vom Stuhl fielen, habe ich professionell gehandelt, nicht abgehoben, sofort geholfen, zugegriffen.

Doch die nachfolgenden Nächte waren reinster Horror, geheult wie ein Schlosshund weil ich mir Vorwürfe machte, und keiner da, der dich auffängt, stürzt Dich verstärkt in Arbeit.

So gab es viele Situationen, die dich extrem belasten, dich zum „harten Hund,“ machen, machen müssen um in diesem Business zu überleben.

Viele Erfolge, die Du höflich abnickst anstatt vor Freude zu schreien, weil es sich nicht anders gehört.

Tägliche Achterbahnfahrten im Hochgeschwindigkeitsrausch mit 180 Grad Looping, wenn Du dich auf einige ruhige Stunden eingestellt hast und Du dann plötzlich von Ereignissen überrascht wirst, die die Existenz des Unternehmen extrem gefährden, Deinen vollen Einsatz fordern.

Du wirst stündlich gezwungen Deine, deines Unternehmens Grenzen massiv nach außen zu verschieben, Deinen Geschäftspartner in enger gesetzte Grenzen zu verweisen.

Dabei die Bodenhaftung und den persönlichen Anstand nicht zu verlieren ist verdammt schwierig.

Kann sich keiner, konnte ich mir zuvor auch nicht im Traum vorstellen, dass mir so etwas einmal passieren könnte.

Denn es passte auch gar nicht in meine vor 1995 bewiesene ehrenamtliche und private Vitae.

Das einzige was mich tröstete, war, dass ich mein tägliches Business genauso als Berufung auffasste wie alles zuvor.
Ableiten konnte, dass es einem höheren Ziel, dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit der von mir betreuten Unternehmen, Erhalt und Sicherung guter Arbeitsplätze diente und mir half meinen Verpflichtungen nachzukommen.

Schlimm wird’s dann, wenn Dir auch noch der Bezug zur Berufung abhanden kommt, wenn äußere Umstände das Ende der Berufstätigkeit erzwingen.

Wenn das „heimkommen“ einem signalisiert, dass man nur mehr fünftes Rad am Wagen, störender Ballast geworden ist, der nicht einmal in der Lage ist, die bisherige wirtschaftlich hervorragende Qualität des Lebens zu gewährleisten!

Jedes gesprochene Wort den Abstand zwischen Dir, den „Deinen“ und ehemaligen „Freunden“ signalisiert und das man es versäumte rechtzeitig einen anderen Weg einzuschlagen!

Was zuvor die „Arbeitswut“ kompensierte, wie willst Du das bei soviel Leere ausgleichen?

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